Was nützt das schönste Hobby, wenn man es nicht teilen kann?!

Please use the google translator to read the interview in english. It is a funny translation 🙂

Ende März machte ich mich mit fünf Freunden auf den Weg in die USA, um dort einen alten Schulbus (ein GMC Baujahr 1952) vom Schrottplatz zu holen, ihn in nur 7 Tagen zu reparieren, um ihn anschließend – in 14 Tagen und mehr als 4.000 Kilometern quer durch die USA – zu seinem Zielpunkt, dem Hafen in Galveston, Texas, zu fahren. Die ganze Story rund um den blauen Bus namens „Big Nose“ findest Du hier.

Einer der fünf Freunde ist Frank Theede (51), Mechaniker-Name „Dancer“. Dancer ist Lindy-Hop-Tänzer und -Lehrer der ersten Stunde. Das erklärt schon mal seinen Spitznamen. Aus beruflichen Gründen konnte sich Dancer leider nur eine Woche in das Abenteuer stürzen. Dafür hatte er sich die erste und wichtigste Woche ausgeguckt, in der wir dem fahruntauglichen Bus neues Leben einhauchen mussten. Obwohl Dancer die abenteuerliche Fahrt durch sieben Bundesstaaten nicht miterleben konnte, steht seiner Begeisterung unserer in nichts nach.

 

Bonnie: Was war deine persönliche Motivation für diesen Abenteuer-Trip?
Dancer: Mein Motto ist: „Ich bin über 50, na und!“ Jetzt ist die richtige Zeit etwas Außergewöhnliches, Verrücktes, Nachhaltiges zu tun.
Als ich im November 2015 von der Idee erfuhr, war mir innerhalb weniger Minuten klar: das will ich mitmachen. Ich bin seit 1987 Oldtimer-Enthusiast und konnte seither viele verschiedene Modelle fahren und reparieren. Aber von dieser einzigartigen Idee, einen nicht fahrtauglichen Bus von einem Schrottplatz zu kaufen, ihn noch vor Ort zu reparieren und dann quer durch Amerika zu fahren, habe ich noch nie etwas gehört. Soweit ich weiß, hat so etwas bisher noch keiner gemacht.
Gereizt hat mich auch die Idee mit Menschen unterwegs sein zu können, die ich unterschiedlich lange kenne und schätze. Ich habe schnell den Flug gebucht und mich ab dem Moment auf den Tag der Abreise gefreut.

 

Bonnie: Woher stammt dein Wissen über alte Autos und Motoren?
Dancer: Mein Mentor war mein Vater, ein KFZ-Mechaniker. Er hat mir immer davon abgeraten mir alte Autos zu kaufen, die würden nur Geld kosten. Recht hatte er! Aber ich habe natürlich nicht auf ihn gehört, und als ich mir meinen ersten Wagen geleistet hatte, half er mir doch bei den Reparaturen. Was soll ich sagen, es waren lehrreiche Jahre mit ihm.

 

Bonnie: Was wolltest du zu diesem Bus-Projekt beitragen?
Dancer: Das war für mich von vornherein völlig klar, ich wollte alles tun damit der Bus wieder fahrbereit ist und die Gruppe die 4000 Kilometer lange Tour nach Houston sicher meistern kann. Meine Erfahrungen wollte ich einbringen, Lösungen für Probleme finden und daran mitarbeiten. Auch mal Ansprechpartner zu sein, wenn es nötig würde und vor allem ein Teil der Gruppe. Die geplanten sieben Tage für die Reparaturen waren für mich das Ziel, das ich erreichen musste.

 

Bonnie: Wie waren deine Erwartungen an diese Reise?
Dancer: Ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse. Ich wusste nur, dass ich das will und dass meine Hilfe benötigt wird … ich habe dieses Helfersyndrom (lacht). Manchmal muss man etwas tun, bei dem man nicht weiß, was am Ende dabei heraus kommt. Das ist es doch, was ein Leben interessant und besonders macht, oder?
Ich arbeite als REFA-Techniker für ein Ingenieurbüro, in dem ich deutschlandweit für Projekte in verschiedene Firmen unterschiedlicher Branchen eingesetzt werde. Dort optimiere ich Arbeitsabläufe, schaffe neue Strukturen um die Produktivität zu steigern und verbessere Kommunikationswege. Da kommt es immer zu neuen Herausforderungen. Warum sollte das im privaten Bereich anders sein?

 

Bonnie: Man muss also einfach offen sein für ein Abenteuer…
Dancer: Scheuklappen haben bei so einem Projekt keinen Platz, die Offenheit und die Einsatzbereitschaft stehen vor allem. B.G. war die gesamte Zeit einem enormen Druck ausgesetzt, das war auch im Vorfeld spürbar, da wollte ich mit Zuversicht zeigen das ich da bin und die Gruppe auf mich zählen kann. Es ging darum sich jedem Problem zu stellen, jede Arbeit durchzuführen und sich nicht die Rosinen herauszupicken. Es gehören auch Arbeiten dazu, die nicht so toll sind, bei denen man sich schmutzige Finger holt, bei denen man sich verletzen kann, die ermüdend sind und die man auch mal machen muss, ohne zu wissen warum das nötig ist. Das gehört dazu, das ist wie im Leben, welches auch aus vielen unterschiedlichen Phasen besteht, mit denen man umgehen lernen muss oder sollte.

 

Bonnie: Was hat dieser Trip bei dir bewirkt? Bist du an deine Grenzen gekommen?
Dancer: Über Grenzen habe ich anfangs nicht nachgedacht, ich fand es einfach spannend und wollte das unbedingt erleben. Für mich war es ein riesiges Abenteuer mit wenig Schlaf und viel Arbeit. Aber am Ende sollte sich der Einsatz lohnen.

Nun, ich bin 51 Jahre und habe meine Grenzen schon oft erkennen müssen und können. Ich bin gerne mit Menschen zusammen, kann mich schnell auf neue Situationen einstellen, nehme mich anfangs auch bei Bedarf sehr zurück. Für mich habe ich an dieses Projekt keine Grenzen gesetzt….

Allerdings kam ich an einem Tag dann doch an meine Grenzen, als alle ausschwärmten, einem Plan folgend, von dem ich nichts mitbekommen hatte. Es war ein recht warmer Tag, ich arbeitete im Motorraum des Busses, direkt der Sonne ausgesetzt. Da sich die Besorgungen der anderen lange hinzogen, und ich auch nicht wusste, wer überhaupt wohin gefahren war, kam ich mir plötzlich verlassen vor. Also vertiefte ich mich so in meine Arbeiten, dass ich vergaß zu trinken. Das hatte zur Folge, dass ich dehydriert war und mir schwindelig wurde. Die Mischung aus Flüssigkeitsmangel und Verärgerung blieb an diesem Abend nicht ohne Folgen.
Ich hatte das Gefühl die anderen würden nicht der Arbeit nachgehen, die noch vor uns lag, und wurde sauer. Ich ärgerte mich noch den ganzen Tag, besann mich aber abends darauf, was passiert war, und kam zu dem Schluss, dass dieser Trip doch meine freie Entscheidung war und die Aufgaben eigentlich gut aufgeteilt waren. Eine wichtige Erfahrung, die auch dazu gehörte. Am nächsten Morgen sprach ich das Thema, dass alle plötzlich weg waren und ich nicht wusste was los war, beim Frühstück an. Die Stimmung war danach wieder sehr gut und ich wieder mit mir im Reinen.

Ich bin es gewohnt körperlich zu arbeiten und brauche das auch als Ausgleich zum Büroalltag. Es ist gut ein Ziel zu haben und mir war es sehr wichtig, dass ich alles dazu beitragen wollte, den Bus in den geplanten 7 Tagen fahrtüchtig zu bekommen, doch ich vergesse dann schnell, besonders wenn mir die Arbeit Spaß macht oder der Termindruck hoch ist, Pausen einzulegen. Darauf haben dann die anderen später geachtet, das hat mir geholfen. Es geht auch darum die Balance zwischen Arbeit und Erholung zu finden. Weniger als 100% zu geben fällt mir schwer, „Aufgeben“ gehört nicht zu meinem Wortschatz, ich bin eben leistungsorientiert erzogen worden. (grinst)

 

Bonnie: Man ist jeden Tag als Gruppe zusammen. Wie verträgt man sich da?
Dancer: Nun, das sind die Herausforderungen, denen wir uns im Alltag ja auch stellen müssen. Ich bin gerne mit Menschen zusammen und kann mich gut einbringen und einfühlen. Ich dachte im Vorfeld nicht an Probleme oder Konflikte. Meist bin ich gut drauf und ein freundliches „Guten Morgen“ und ein Lächeln schaden keinem. Ich hatte keine Erwartungen und war einfach ein Teil der Gruppe.

Jeder hat seine Stärken, Schwächen, seine Vorlieben oder auch unbekannte andere Seiten. Ich stehe gerne früh auf und frühstücke dann gut und lange. So war, zur Freude der anderen, der Frühstückstisch morgens vorbereitet und der Tag konnte gut beginnen. Ich hatte das Gefühl das jeder, zu jeder Zeit, wusste was er tat, was er tun sollte. Ich hatte nicht das Gefühl das ich zu viel mache oder das andere zu wenig beitragen. Für mich war es eine ausgewogene Zeit und Organisation. Allerdings habe ich auch von dem Drumherum nicht allzu viel mitbekommen, weil ich mich intensiv um die Reparaturarbeiten gekümmert habe. So sind zum Beispiel die Aufnahmen für den Fernsehbericht und das Interview mit der Zeitung irgendwie an mir vorbeigegangen …

Bei allem bleibt die Erkenntnis, was nützt das schönste Hobby – und ich zähle die Liebe zur Swingmusik, den Lifestyle der 1930er bis 1950er Jahre und die Vorliebe zu den Oldtimern dazu – wenn man es nicht teilen kann? Nur in der Gruppe, in Gesellschaft macht all das richtig Spaß. Wir haben oft und viel miteinander gelacht und den Spaß in den Vordergrund gestellt, unser Humor ist auf einer Wellenlänge und macht unglaublich viel Spaß!

 

Bonnie: Was hast du (von den anderen) gelernt?
Dancer: Da ich alle aus der Gruppe unterschiedlich gut und lange kenne, hat mich das Zusammensein in oft angespannten Situationen, und mit dem Zeitdruck im Nacken, sehr positiv beeindruckt. Jeder hat Qualitäten von denen ich nichts wusste und die haben der Gruppe und dem Projekt gut getan. B.G. und Rudy haben mich im Umgang mit den umfangreichen Arbeiten und den immer wieder auftretenden Problemen der Ersatzteilversorgung positiv beeindruckt. Jeder hat das Mac-Guyver-Gen in sich und konnte aus Problemen immer etwas Positives ableiten. Über die gesamte Zeit war eine klare Linie erkennbar.

Die Entscheidung ein Teil dieses Projektes zu sein, war für mich goldrichtig. Das Abenteuer hat mich bestärkt, das zu tun, was ich möchte und was mir Spaß macht. Man sollte Dinge nicht auf später verschieben, sondern die Gelegenheiten beim Schopf packen und sie nutzen. Die Erinnerungen an dieses verrückte Abenteuer werden mich noch sehr lange begleiten.
Ich weiß jetzt wieder, dass ich mich auf ständig neue Herausforderungen einstellen kann und auch dazu beitragen kann, dass etwas gelingt.
Ich wurde als Mensch, als Teil der Gruppe, als Dancer, als Teilzeitmechaniker mit allen Fähigkeiten geschätzt und akzeptiert und ich bin gewachsen in der Zeit. Der Abschied in Benton City, als ich mich auf den Weg zum Flughafen nach Seattle machen musste, fiel mir sehr schwer. Mir wurde klar, wie intensiv diese Tage für mich waren. Ein Wahnsinns Projekt mit tollen Menschen.

 

Bonnie: Das letzte Mal warst du vor über 15 Jahren in den USA. Wie bist du heute zurecht gekommen?
Dancer: Als ich den Leihwagen nach Seattle allein zurückbringen musste, war das anfangs eine unangenehme Situation für mich. Fragen wie: Komme ich mit allem klar, finde ich ein Hotel, wie komme ich am Flughafen zurecht? Lauter Fragen die mich auf der vierstündigen Fahrt von Benton City nach Seattle beschäftigt haben. Aber ich habe alles gemeistert, bin mit jeder Situation gut zurechtgekommen und war am Ende des Tages recht stolz auf mich. Auch in Seattle habe ich Hilfe von Menschen erfahren, die mich nicht kannten und die mir in der einen oder anderen Situation halfen, zum Beispiel beim Busfahren in Seattle. Danke an die Unbekannten! Es kann einem überall passieren, dass man auf Menschen trifft die einem Gutes wollen, man sollte offen dafür sein.

 

Bonnie: Was ist das Fazit für deine Reise?
Dancer: In dem Moment als ich zurück in Deutschland war, verging kaum eine Stunde in der ich nicht an meine „Bus-People“ gedacht habe. Und den Bus „Big Nose“, der hoffentlich problemlos seinen Weg nach Houston machen würde. Jeden Tag schaute ich mehrmals in den Blog um Neues zu erfahren und mir die schönen Fotos anzusehen. Ich habe jedem davon erzählt und meine Begeisterung versprüht. Mir haben viele emotionale Momente oft Tränen der Freude und der Traurigkeit in die Augen getrieben. Und als ich meinen Overall ganze fünf Mal gewaschen und buchstäblich jeden einzelnen, mit Erinnerungen gefüllten, Flecken von Hand herauswaschen wollte, war mir klar: ich bin Teil von etwas ganz Großem. Jeder Fleck hat seine Geschichte und der Overall muss so bleiben wie er jetzt ist. Das gehört zu den Erinnerungen. Allerdings riecht er nun besser.

Bonnie: Danke, Frank „Dancer“ 🙂

Wer Interesse hat Lindy Hop (Swing Tanz) zu lernen – Frank gibt Workshops im Raum Münster – Ruhrgebiet – Bergisches Land – Köln … Bei Interesse einfach eine eMail an mich schreiben oder einen Kommentar hinterlassen.

Frank „Dancer“ und ich freuen uns über Eure Kommentare (am Ende der Seite).

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