Hals über Kopf – Wie fühlt es sich an in einem Doppeldecker zu fliegen?

Wir gehen zurück in das Jahr 2007. Ich arbeitete als Designerin in einer Werbeagentur in Grevenbroich, der ein Verlag für ein Stadtmagazin angeschlossen war. Dieses entstand monatlich unter meiner grafischen Aufsicht und ab und an hatte ich die tolle Gelegenheit selbst Artikel zu schreiben.

Den folgenden Erfahrungsbericht habe ich natürlich aufgehoben und bin ganz glücklich, dass er jetzt nochmal zum Einsatz kommt. Das Erlebnis mit einem Doppeldecker zu fliegen war eine Bereicherung für mich, die Begeisterung immer noch so präsent, dass ich meinem neuen Blog CREATE & TRAVEL ein Bildsignet in Form eines Doppeldeckers gewidmet habe.

 

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September 2007. Dicke Wolken, Motorengeheule und Flugzeuge am Himmel. Ich stehe auf meinem Balkon, gucke in die Luft und beobachte einen spektakulären Kunstflug. Unweit entfernt findet das jährliche Flugplatzfest des Aero-Clubs Grevenbroich Neuss e.V. auf der Gustorfer Höhe statt. Wenige Minuten später sitze ich schon auf meiner Vespa, auf dem Weg dorthin.

Wie mag es sich anfühlen in einem Doppeldecker zu fliegen? Ich schlenderte über den Flugplatz und schaute mir die Flugzeuge an. Für welchen sollte ich mich entscheiden? Mein Bauchgefühl steuerte mich direkt auf die einfache, aber wie ich finde, sehr schöne Bücker-Jungmann zu. Genauer gesagt eine Bücker 131 Jungmann, gebaut im Jahre 1934 als kunstflugtaugliches Schul- und Sportflugzeug mit 150 Pferdestärken. Ein Flugzeug, dessen Körper fast nur aus Holz besteht, umspannt mit beschichtetem Leinenstoff. Spanndrähte sorgen für Stabilität, nur am Motor ist die Klappe aus Metall. Pilot und Co-Pilot sitzen „oben ohne“, also nicht in einer verschlossenen sicheren Kabine.

Jetzt wollte ich es aber wissen. Ich buchte schnell eine Flugrunde und einer der Organisatoren machte mich mit dem Piloten Olaf Otto von Chamier bekannt. Ja, so muss ein Pilot heißen! Noch ein Foto zur Erinnerung und schon kletterte ich über ein Trittbrett auf den vorderen Sitz. Von der Tatsache, dass auch die Trägerflügel nur von Leinenstoff umspannt sind, ließ ich mich nicht entmutigen und flutschte regelrecht in die Sitzposition. Dann zog ich mir das typische Fliegermützchen mit Brille und Mikrofon/Funk über und schnallte mich mit zwei kleinen Gurten an.

Viel Platz und Komfort darf man bei deutschen Flugzeugen aus jener Zeit nicht erwarten. Auf dem Foto erkennt man gut den Fußraum mit den Steuerelementen. Vor mir gab es drei Anzeigen, von der mir eine die Betriebstemperatur von 40 Grad Celsius angab, die sich im Flug auf 60 Grad erhöhen sollte.

 

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Nun wurden die Seitendeckel hochgeklappt und Olaf manövrierte den Vogel zur Startbahn. Besser gesagt holperten wir über die Wiese und hoben kurze Zeit später ab. Vor mir die Armaturen, die sich drehenden Rotorblätter, das Geräusch des Motors, der Wind, der Himmel und das Knistern des Funkgeräts, mit dem der Pilot und ich verbunden waren. Es hätte schöner nicht sein können: ich flog in einem 73 Jahre alten Doppeldecker!

Mit einer Geschwindigkeit von etwa 180 Stundenkilometern, oder gefühlten 30, flogen wir über das Braunkohlegebiet in Grevenbroich hinweg. Olaf erkundigte sich nach meinem Befinden und ich zeigte alle paar Minuten den Daumen nach oben, den Daumen nach oben, den Daumen nach oben.

„Und jetzt steigst du mit den Füßen rechts und links in die Pedale und nimmst das Steuer in die Hand. Mit den Füßen steuerst du nach rechts und links, mit dem Steuerknüppel geht es auf und abwärts.“ Ehe ich mich versah flog ich das Flugzeug!!! Was für ein Gefühl. Schon bei der kleinsten Berührung der Steuerinstrumente setzte die Bücker alles um, was ich vorgab.

Voller Übermut hatte ich Olaf bereits am Boden gefragt, ob man mit der Maschine auch Loopings fliegen könne oder ob man dabei aus den Sitzen fallen würde. Lächelnd kam seine Antwort „was soll ich denen am Boden sagen, wenn ich plötzlich ohne den Fluggast wieder komme“. Olaf übernahm wieder das Ruder und nahm Höhe auf. Schon drehten wir eine Rolle in der Luft. Und noch eine, weil es so verdammt grandios war. Plötzlich sind Land und Himmel vertauscht, man wird durch die Fliehkräfte bei etwa 270 km/h in den Sitz gepresst und es ist einfach nur toll!

Nach 20 Minuten Rundflug (in vertikaler und horizontaler Runde) war das Abenteuer für diesen Tag zu Ende. Von diesem beeindruckenden Erlebnis zehre ich allerdings heute noch.

 

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