Eine Odyssee mit United Airlines oder: wie man Urlaubstage verliert.

Mitte Dezember 2014. In strömendem Regen schleppen wir unsere Koffer in ein altes Zugabteil, Fahrtrichtung Köln. Von dort geht es weiter zum Frankfurter Flughafen. Das Wetter ist mies, dafür die Vorfreude umso größer: es geht schließlich nach Hawaii.

Einchecken, Koffer abgeben, Zeit vertreiben, dann geht es in den Flieger nach San Francisco. Ich wollte so wenig Zwischenstopps wie möglich. Bis es dann auf die Startbahn ging, dauerte es – wir warteten noch auf weitere Fluggäste – und so flogen wir mit Verzögerung los. Normalerweise holt so ein Flieger die verlorene Zeit locker wieder rein, nicht so dieser. Mit derselben Verspätung kamen wir dann in San Francisco an, wo unser Anschluss bereits boarden müsste. Die Durchsage, dass auch der Anschlussflug verspätet starten würde, verschaffte uns ein angenehmeres Lauftempo durch Einreise, Koffer wieder einchecken und zum Gate rennen. An diesem angekommen, tat sich erstmal nichts. Weiter nichts. Und dann hieß es, dass der Flieger ein technisches Problem habe. Irgendwas mit der Benzinpumpe. Stunden später, nachdem pro halbe Stunde durchgesagt wird, dass es gleich los geht, dass auf ein Ersatzteil gewartet wird, dass es kostenlose Dosengetränke gibt, erfuhren wir dann, dass der Flieger heute nicht mehr rausgeht.

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Das Terminal am Flughafen in San Francisco.

 

Sch***! Denn der große Run auf die Infoschalter sollte geschlagene drei Stunden Schlangestehen bedeuten, um dann zu erfahren, dass an diesem Abend überhaupt kein Flieger mehr nach Honolulu geht. So bekamen wir schließlich einen Voucher für ein Hotel am Flughafen, sowie ein CarePack mit Zahnbürste. Entnervt und müde kaufte ich uns ein schickes Partnerlook „California“-Tshirt am nächstbesten Flughafenshop, bevor wir den Shuttle zum Hotel suchten.

Auch in San Francisco regnete es wie aus Kübeln. Wir hörten von einem Regensturm, der erwartet würde und grübelten, ob denn wohl noch wegen Unwetter der nächste Flug gestrichen würde. Unsere Koffer verbrachten die Nacht übrigens auf dem Rollfeld. Im Regen.

Der nächste Morgen. Der angekündigte Flug nach Honolulu sollte um 9.00 Uhr losgehen, also waren wir zwei Stunden früher dort. Schlecht geschlafen, bis auf das T-Shirt in denselben Klamotten vom Vortag. Hm, lecker, da fühlt man sich gut! Und dann ging es so allmählich, zähflüssig und wieder verspätet in das Flugzeug. Kaum gemütlich eingerichtet, wurden einige Gäste unruhig. Es ging schon wieder nicht los. Daraufhin durfte man das Flugzeug verlassen und die Zeit in Gate-Nähe abhängen. Ich blieb im Flieger bei unseren Sachen, bis die Durchsage der Flugbegleiter besagte, dass wir jetzt alle den Flieger zu verlassen hätten, denn der würde, aufgrund eines technischen Problems, heute nicht mehr rausgehen. Ach was, vielleicht was an der Benzinpumpe?

 

Da schoben die uns in denselben kaputten Flieger vom Vorabend und wussten genau, dass daran nicht eine Minute gearbeitet wurde! Frechheit. Ich packte alle unsere Sachen zusammen und ging wieder zum Gate, wo mein Mann schon wartete. Der durfte nämlich, einmal draussen, nicht mehr in den Flieger zurück und wartete dort schon eine ganze Weile. Nun hingen wir also immer noch am Gate 86 von San Francisco und waren nervlich extrem angespannt. Schließlich wussten wir nicht, wann und ob wir noch nach Hawaii kommen. Unsere private Unterkunft und der Mietwagen waren gebucht und bezahlt. Das ersetzt einem keiner. Viel schlimmer ist aber der verlorene Urlaubstag. Was hätten wir schon alles unternehmen können. Stattdessen hingen wir immer noch am Gate. Mit uns eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern – auch seit dem Vorabend. Da keiner an sein Gepäck kam, hatte die Familie auch keine neuen Windeln für ihre Kleinen. Das Bodenpersonal von United brachte irgendwann mal zwei Windeln für das Baby, nicht aber für die Dreijährige. Und einen Kinderwagen oder eine Möglichkeit das Baby schlafen zu legen gab es auch nicht. Super Service!

Neun Stunden später saßen wir endlich in einer neuen Maschine, auf dem Weg zur Startbahn Richtung Hawaii. Weitere fünf einhalb Stunden später: Ankunft in Honolulu. Urlaub! Bis wir die Koffer vom Band zerrten: klatschnass. Ich hatte noch Glück, aber bei meinem Mann hatte sich die Nässe durch den Koffer gefressen. Aaah!

Dann aber. Urlaub. Wir verbrachten eine tolle Zeit auf O´ahu, Big Island und Maui. Dann kam der Tag des Abflugs. Oder soll ich es vorwegnehmen: die Tage des Abflugs.

Die Rückreise … oder eine Odyssee mit United Airlines.

Auschecken aus dem Ferienapartment, ein letztes Frühstück und ein letztes Mal Sightseeing. Um 22.00 Uhr ging unser Flug von Maui nach San Francisco. Glaubten wir zuerst auch. Ich dachte noch „ach, dann bin ich heute Abend schön müde, vielleicht kann ich ja mal im Flieger schlafen!“ In Maui ist der Flughafen ganz klein, ein Betonbau aus den 1960/70er Jahren. Es gibt ein Restaurant, einen Starbucks und einen Souvenirshop. Die machen um 21.00 Uhr zu.

Am Gate suchte ich erstmal eine freie Steckdose für mein Smartphone, aber freies Wlan gab es leider nicht. Die Läden machten grade zu und am Automaten gab es nur zuckerhaltige Getränke. Als zur geplanten Zeit das Boarden nicht losging, ahnte ich Böses und sollte recht behalten. Schon wieder kam die Durchsage, dass die Maschine einen technischen Defekt habe. Nach einer halben Stunde ließen sie die ersten Passagiere in den Flieger. Ich wusste schon, dass die nicht lange drin bleiben und dann wurden sie auch schon wieder heraus gebeten. Jede halbe Stunde kam dann eine andere Ausrede, bis der Flug annulliert wurde. Da stand ich aber schon am Schalter, ready to book um.

Das dieses Prozedere dann aber auch wieder drei Stunden dauerte, lag daran, dass sich eine der zwei United Airlines Mitarbeiterinnen parallel um alles andere kümmerte. Dazu kam, dass sie uns nun von Maui bis Düsseldorf neu durchchecken musste. Das Problem waren die Zeiten. Es war die Nacht auf den 29. Dezember, kurz vor Sylvester also. Und sie fand keinen Flug, der uns vom Festland der USA nach Europa bringen würde. Es gab einen, da wären wir erst am 1.1. in Düsseldorf gelandet. Ich war mit den Nerven am Ende. Richtig am Ende. Wütend, enttäuscht und die Erholung war sowas von weit entfernt. Stunden später fand sich dann eine Verbindung. Von Maui nach Honolulu, von dort nach San Francisco und dann nach London, von London nach Düsseldorf. Die Umsteigezeiten wechselten zwischen kaum machbar und fünf Stunden Wartezeit. Gebucht.

So, und wo verbringen wir jetzt die Nacht? Die Hotels in der Umgebung seien alle ausgebucht. Da sei nichts zu machen. Wir könnten aber hier am Gate warten. Ich war so wütend, ich konnte nur noch heulen. Wir entschieden uns also am Gate zu bleiben. Dieses durften wir dann auch nicht mehr verlassen, da die TSA Kontrolle Feierabend machte – und wer einmal draussen ist, kommt erst am nächsten Morgen wieder rein.

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Über Nacht gefangen im Flughafen auf Maui, Hawaii.

Angeboten wurde uns dann eine dünne blaue Decke und eine Dose Apfelsaft. Während ich versuchte mir es auf den Sitzen bequem zu machen, lief mein Mann rastlos den Gang auf und ab. Die Klimaanlage powerte pausenlos, zur halben Stunde kam jeweils die Durchsage dass man sein Gepäck nicht unbeobachtet lassen solle oder die Uhrzeit. Das Licht brannte hell. Man bedenke, wir waren alleine am Flughafen, dieser hatte nun seit Stunden geschlossen. Konnte da niemand die Durchsagen abstellen und das Licht dimmen?
Es war eiskalt. Ich versuchte mich in meiner Jacke und der dünnen Decke einigermaßen warm zu halten, und dachte an die letzten sommerlichen Urlaubstage zurück. Um 6.00 Uhr morgens wurden wir dann von einem Security-Mitarbeiter in das benachbarte Gate geführt, um dort den Flieger nach Honolulu zu bekommen. Als wir unser Ticket dort freischalten lassen wollten, schickten die uns tatsächlich runter, nochmal durch die ganze Sicherheitskontrolle. Hallo, wir sind doch schon hier oben, weil wir gestern durch alle Kontrollen durch sind und am Gate übernachtet haben!? Also, am Gate übernachten, das gäbe es an diesem Flughafen nicht. Wir konnten es nicht fassen. Da die Zeit schon eng wurde liefen wir also runter zur Kontrolle, machten nochmal das komplette Programm mit (Schuhe aus, Gürtel runter, Laptop raus), um dann in letzter Minute das Flugzeug nach Honolulu zu besteigen.

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Nichts geht mehr, abwarten bis zum nächsten Morgen und umbuchen, sofern es Alternativen gibt.

Aber die Odyssee ging ja weiter. Nun waren wir erst in Honolulu. Hawaii ist die von einem Festland am weitesten entfernte Inselgruppe. Ich weiß jetzt, was das bedeutet, vor allem, wenn man hier nicht weg kommt. So, also Honolulu. Um den Flug nach San Francisco zu bekommen, mussten wir einmal durch den gesamten Flughafen sprinten. Mittlerweile schon 30 Stunden ohne Schlaf, ohne Frühstück und Getränke. Völlig fertig (unsportlich wie wir sind) kamen wir aber rechtzeitig dort an, saßen im Flieger und wieder hieß es, es gäbe ein kleines technisches Problem im Cockpit. Ab dem Moment habe ich nicht mehr hingehört. Zum Glück starteten wir dann fünfzehn Minuten später.

Der Flughafen auf Maui.

Der triste Flughafen auf Maui.

Zurück in San Francisco hatten wir fünf Stunden Zeit und nutzten diese für ein Frühstück. Der Flug nach London erfolgte dann mit Lufthansa. Da lief alles glatt, wir hatten auch endlich Monitore in den Kopfstützen -das gibt es bei den alten Maschinen von United nur selten. Auf nach London. Europa! Schon fast Düsseldorf! Ich wollte nur noch nach Hause. In London angekommen suchten wir uns den Weg zum Terminal von German Wings. Auch dieser Flug hatte Verspätung, brachte uns dann aber zielsicher nach Düsseldorf. Schlussendlich waren wir – und da hatten wir noch Glück – statt um 6.00 Uhr morgens um 18.00 Uhr abends am Zielflughafen. Vor Sylvester.

Das kleine Tüpfelchen auf dem i war dann der Verlust des Koffers meines Mannes. Der hat immer ein Glück mit seinen Samsonites… Am Silvesterabend wurde der uns dann aber nach Hause geliefert. Mit den vielen schönen Hawaiihemden – wenn die weg gewesen wären!

Wir haben uns dann schriftlich an United Airlines gewendet, um eine Entschädigung einzufordern. Auf dem Hinflug haben wir immerhin einen Voucher für das Hotel sowie Verpflegung erhalten. Auf dem Rückflug eine dünne Decke. Alles, was wir erreichen konnten, sind §200 für jeden, einzulösen innerhalb eines Jahres für einen United-Inlandsflug. Juchuu! Danke United Airlines für zwei gestohlene Urlaubstage. Die kann man nicht entschädigen.

 

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